Warum starke Frauen zweifeln

Anja sitzt in einem Besprechungsraum mit zwei Vorständen. Sie präsentiert Zahlen, beantwortet Fragen, trifft Entscheidungen, ruhig, klar und konzentriert. Sie wirkt dabei souverän.

 

Und gleichzeitig denkt sie: Hoffentlich übersehe ich nichts, hoffentlich reicht das, was ich tue. Und hoffentlich merkt niemand, wie viel Unsicherheit ich gerade in mir trage.

Zweifel ist kein Gegenbeweis für Kompetenz

Viele Menschen verbinden Stärke mit innerer Ruhe und Klarheit, mit dem Gefühl, immer zu wissen, was als nächstes kommt. Aber so funktioniert das Leben selten.

 

Wer Verantwortung übernimmt, sieht Konsequenzen, Entscheidungen und Risiken. Dadurch fühlen sich manche Situationen innerlich viel weniger stabil an, als sie nach außen aussehen. Was wie ein Widerspruch anmutet, ist eigentlich eine logische Begleiterscheinung davon, wenn man Dinge ernst nimmt.

 

Sie funktionieren nach außen, während innen längst Druck entsteht. Das Verrückte daran ist: Frauen in diesem Spannungsfeld wirken häufig besonders kompetent, weil sie aufmerksam sind, mitdenken, Verantwortung ernst nehmen.

Verantwortung ist der Nährboden für Souveränität

Es gibt Situationen, in die wir hineinwachsen müssen, obwohl wir uns innerlich noch gar nicht bereit fühlen.

Plötzlich führt man Gespräche, die früher andere geführt haben. Trifft Entscheidungen, die früher jemand anderes getragen hat. Gibt Menschen Orientierung, obwohl man selbst noch mitten im Sortieren ist.

 

Das ist vielleicht einer der anstrengendsten Spannungsmomente: nach außen hin handlungsfähig zu bleiben, während die innere Sicherheit erst noch wachsen muss. Viele starke Frauen zweifeln in dem Moment an sich. Und gleichzeitig halten sie diesen Zustand aus. Das ist Stärke.

Wenn der Zweifel anfängt zu kreisen

Zweifel, solange er ausgesprochen werden kann, bleibt handhabbar. Er ist ein Gedanke, eine innere Frage.

 

Wenn er aber dauerhaft nur nach innen getragen wird, weil nach außen Souveränität gezeigt werden muss, verändert er sich. Er wird schwerer. Aus dem Zweifel wird Grübeln, aus dem Grübeln ein Dauerdruck, der zehrt, ohne irgendetwas zu lösen. Und das kostet mehr, als die meisten zugeben würden.

Was es dich wirklich kostet, wenn dein Zweifel keinen Raum bekommt

Irgendwann löst die Erfahrung die Spannung auf. Nach dem dritten Vorstandsgespräch, nach der zehnten schwierigen Entscheidung merkt man: Ich kann das. Ich konnte es die ganze Zeit. Ich war die ganze Zeit unsicher und gleichzeitig längst fähig. Das schließt sich nicht aus. Das kommt fast immer.

 

Die Frage ist nur, was es uns bis dahin kostet. Denn der Preis ist selten der Job oder die Reputation. Der Preis ist unser Energielevel, unsere Ausstrahlung, die Leichtigkeit, mit der wir eigentlich leben könnten.

 

Ich glaube, wir Frauen müssen nicht lernen, nie wieder zu zweifeln. Vielmehr geht es darum, einen Ort zu haben, wo der Zweifel ausgesprochen werden darf, bevor er zu etwas Schwerem wird.

 

Genau das ist für mich der Kern von Coaching. Einen Denkraum zu schaffen, damit du schneller weißt, wo du stehst, und mit mehr Leichtigkeit dahin kommst.

 

Wenn du das Gefühl kennst, nach außen souverän zu wirken und innerlich längst unter Druck zu stehen, lass uns reden.

#GanzKlarFrei