Lebensmomente die uns Fragen stellen: Der freie Samstag
Eine alte Freundin von mir erklärte sich bereit, mir für ein Interview zur Verfügung zu stehen. Wir sprachen darüber, wie es so ist, wenn die Kinder das Haus verlassen, was das mit einem macht.
Betty lebt in Brüssel, hat 3 Kinder und ist immer irgendwie busy. Sie und ihr Mann wollten unbedingt für die Kinder da sein, ihnen jede Möglichkeit geben, sich zu entfalten und auszuleben. So wurden die Samstage ein kleiner großer Marathon zwischen Fahrten zum Fußball, Hinbringen, Abholen, Theatergruppe, Volleyball, Freundin besuchen, Freunde einladen. Es war immer richtig viel los! Damit in der Organisation nichts schief ging, hatten sie alles in einer Excel-Liste festgehalten, die dann allsamstäglich abgearbeitet wurde.
Als dann plötzlich – das stimmt natürlich nicht, fühlt sich aber so überraschend an – alle drei aus dem Haus waren und der erste freie Samstag kam, dachte sie nur: Was mach ich denn jetzt mit diesem ganzen Tag.
Keine Verantwortung mehr für gepackte Sportsachen, das Skript, das Übernachtungszeug. Es fühlte sich leer an, obwohl sie den ganzen Tag beschäftigt war: der Terminkalender war leer, das Haus war leer, es gab keinen Trubel mehr, wenn alle aufgeregt durcheinander erzählten.
Ein Stück Leben wird frei
Wenn die Kinder ausziehen, ist es wie ein Acker, der plötzlich frei wird. Über viele Jahre war dieses Feld bestellt und plötzlich ist das Feld leer. Wir schwanken zwischen Stolz auf unsere Kinder und einem Gefühl der Leere, ein bisschen wie ein ungestilltes Sehnen.
Aber man kann das auch anders betrachten:
Es wurde ja nicht das ganze Leben „abgeerntet“, sondern nur ein Feld. Da ist ein Stück meines Lebens wieder frei geworden.
Und das ist eigentlich etwas Großartiges. Das ist mein Acker. Ich darf entscheiden, was damit geschieht. Ich könnte wieder Mais anbauen. Ich könnte auch etwas völlig anderes ausprobieren. Ich könnte ihn eine Weile brachliegen lassen. Und am wichtigsten: Ich muss heute noch gar nicht wissen, was damit passieren soll.

Wenn der Blick wieder weiter wird
Bei mir waren diesen Sommer unglaublich viele Maisfelder. Zunächst mag ich das, weil sie der Landschaft eine Struktur geben, es entstehen regelrechte Räume. Über den Sommer wird der Mais jedoch so hoch, dass man nur noch von Maisfeld zu Maisfeld blicken kann. Jetzt ist es Herbst, der Mais ist weg und man sieht wieder weit und großräumig übers Land.
Mit diesem freigewordenen Acker in unserem Leben verhält es sich ganz ähnlich. Jetzt bestimmen keine fremden Terminpläne mehr unseren Samstag. Es entsteht Weite und Raum, um mal wieder das Ganze zu betrachten. Um sich in Ruhe anzusehen, was es jetzt überhaupt braucht.
Was wächst auf meinen anderen Feldern?
Wovon habe ich vielleicht längst genug?
Was möchte ich unbedingt behalten?
Und was würde auf diesem freien Stück überhaupt zu meiner heutigen Landschaft passen?
Und was mache ich jetzt?
Ich höre in meinen Gesprächen oft, dass sich Frauen wieder mehr Leichtigkeit wünschen. Meist haben wir dann eine Zeit im Sinn, als wir weniger Verantwortung trugen und unbeschwerter waren. Vielleicht steckte ein Teil dieser erlebten Leichtigkeit in der Fülle von unverplanter Zeit.
Zeit, die noch keinen Zweck hatte. Ein Samstag, an dem man morgens noch nicht wusste, ob man zum See fährt, jemanden trifft, liest, schläft oder überhaupt etwas tut.
Jetzt ist vielleicht wieder so eine Zeit. Erstmal nichts planen, nur schauen, Hinspüren und dann entscheiden: Was mach ich jetzt mit diesem ganzen Tag?
Wenn du Lust hast, den Fragen nachzugehen und herauszufinden, wie du diesen Acker in Zukunft gestalten möchtest, lade ich dich herzlich ein: Buche hier dein kostenloses Kennenlerngespräch.
#ganzklarfrei