Meine Klientin, Mitte 40, wirkte auf mich auf den ersten Blick wie jemand, bei dem alles stimmt. Sie hatte eine nette Familie, einen guten Job, ein gutes soziales Netz, kurz gesagt: ein Leben, das funktionierte.
Sie leitete unser Gespräch ganz klassisch mit dem Satz ein: „Eigentlich kann ich mich nicht beschweren, aber …“
Man hatte sie in der Arbeit versetzt. Die neue Position umfasste andere Aufgaben und war objektiv betrachtet durchaus gleichwertig. Trotzdem reibte sie sich daran. Nicht so sehr wegen der Inhalte, sondern weil sie nicht gefragt worden war. Weil über ihr Berufsleben entschieden worden war, ohne dass sie selbst wirklich darin vorkam. Das nagte an ihr.
Manchmal passt es und nervt trotzdem
Es gibt im Leben zig Varianten von Veränderungen. Manche kommen mit lautem Knall. Ganz viele schleichen sich einfach so ein. Kein Zusammenbruch, keine Krise, kein Moment, der alles auf den Kopf stellt. Es ist eher ein inneres Unwohlsein, das man vielleicht für Müdigkeit hält und immer wieder beiseiteschiebt, weil: Was soll denn schon sein?
Ich erlebe immer wieder, dass genau das es so schwer greifbar macht. Weil es keinen klaren Grund gibt, unzufrieden zu sein. Und weil man sich deshalb schnell fragt: Stimmt mit mir was nicht?
Die Antwort, die ich nach vielen solcher Gespräche geben kann: Nein. Es stimmt was mit dir. Und zwar im besten Sinne.
Was da mit dir stimmt
Zurück zu meiner Klientin. Sie mochte ihr Leben ja. Und der neue Job war durchaus gut, auch das wusste sie. Aber dass sie nicht die Wahl gehabt hatte, ärgerte sie. Sie war übergangen worden und merkte, dass sie aus freien Stücken diesen Job vielleicht sogar angenommen hätte. Ganz sicher war sie sich aber nicht.
Es ging also nicht um die Stelle, sondern um die irritierende Erkenntnis, dass sie ihr Berufsleben schon länger mehr verwaltete als bewusst gestaltete.
Ich kenne solche Momente von Fremdbestimmtheit sehr gut. Oft sind sie sehr subtil, aber wenn wir sie bemerken, wacht in uns etwas auf. Wir beginnen uns wieder zu hören und merken: Es gibt einen Unterschied zwischen einem Leben, das läuft, und einem Leben, das sich anfühlt wie das eigene.
Das eine kann funktionieren, vernünftig sein, stabil wirken und von außen völlig in Ordnung aussehen. Das andere hat etwas mit innerer Beteiligung zu tun. Mit dem Gefühl, nicht nur mitzuhalten oder mitzugehen, sondern sich selbst im eigenen Leben noch wiederzufinden.
Wenn dein Leben nicht mehr richtig sitzt
Vielleicht ist das Leben ein bisschen wie ein Kleidungsstück, das lange gut gepasst hat. Man hat es gern getragen. Es war bequem, vertraut, praktisch und richtig schick.
Und dann merkt man irgendwann: Es sitzt noch. Aber nicht mehr so wie früher.
Manchmal liegt das daran, dass sich außen etwas verändert. Die Aufgabe, die Rolle, die Familie, der Alltag. Manchmal verändern wir uns innerlich und merken erst später, dass das Äußere nicht mehr ganz dazu passt. Meist ist es ein Wechselspiel aus beidem.
Das heißt nicht, dass man sofort die gesamte Garderobe austauschen muss. Aber man darf merken: Das eine oder andere Stück, fühlt es sich nicht mehr ganz nach mir an.
Genau darum geht es bei Veränderung im Leben oft. Nicht um den radikalen Bruch, sondern um diesen Moment, in dem man spürt: Ich passe irgendwie noch hinein. Aber bequem und schick geht anders.
Nicht warten, bis es wirklich schlimm ist
Viele Frauen nehmen solche Irritationen erst ernst, wenn es für sie unerträglich ist. Wenn „Stell dich nicht so an.“ und „So schlimm ist es doch nicht.“ nicht mehr funktionieren.
Solche Floskeln helfen selten, oft sorgen sie nur dafür, dass wir die eigene Wahrnehmung einfach leiser drehen. Dabei ist es genau diese Wahrnehmung, die uns bei uns hält.
Erst sortieren, dann entscheiden
Veränderung im Leben muss nicht bedeuten, alles in Frage zu stellen, hinzuschmeißen oder den radikalen Neustart hinzulegen.
Es geht erst einmal um Hinschauen. Verstehen, was gerade passiert.
Geht es wirklich um den Job? Oder um das Gefühl, nicht mehr Autorin des eigenen Lebens zu sein? Um alte Rollen, die man stillschweigend übernommen hat? Um den Wunsch, wieder mehr mitzugestalten?
Wenn du merkst, dass in dir gerade etwas arbeitet und du es allein nicht richtig greifen kannst, bringt Coaching wieder Klarheit: sortieren, unterscheiden, Richtung finden.
Darum geht’s.
Melde dich gern für ein kostenloses, unverbindliches Kennenlerngespräch.
Vielleicht möchtest du an dieser Stelle weiterdenken: In meinem Artikel „Du hast dich falsch entschieden? Vielleicht genau richtig“ schreibe ich darüber, warum Entscheidungen oft weniger endgültig sind, als sie sich im ersten Moment anfühlen. Und in „Warum wir nicht besser, sondern echter werden müssen – ein Plädoyer für die innere Freiheit“ geht es darum, warum Veränderung nicht bedeutet, sich zu optimieren, sondern sich selbst wieder näherzukommen.
#GanzKlarFrei