Du willst los – und gleichzeitig bleiben

Mit Anfang 30 war mein Leben unruhig, vieles war in Bewegung, viele Dinge sind weggebrochen oder ich habe sie in Frage gestellt. Und ich hatte eine Sehnsucht: Ich wollte wieder ins Ausland.

 

Das war kein flüchtiger Impuls. Ich hatte früher schon im Ausland gelebt, wusste, wie gut mir das tut, wie sehr mich das lebendig macht. Und darum war dieser Wunsch auch nicht so leicht abzutun.

 

Ich bin trotzdem geblieben.

 

Ich bin geblieben, weil das Leben immer mit am Tisch sitzt: da saßen meine Tochter, ein Alltag, der für sie funktioniert hat. Eine Struktur, die nicht nur mich betroffen hat.

 

Damals habe ich mich entschieden, meiner Sehnsucht nicht nachzugeben.

Wünsche sind nicht sofort klar…

Wir wünschen uns oft, dass es diese eine klare Linie gäbe, der man einfach folgen muss. So ist es selten. Meist kommt ein Wunsch ganz klein und unschuldig daher, ein Gedanke, der immer mal wieder auftaucht. Etwas, das dich beschäftigt, ohne dass du sofort weißt, was du damit machen sollst.

…und nicht jeder Wunsch trägt weit

Ich habe über die Jahre gemerkt, dass Wünsche ein Gewicht haben und, dass dieses Gewicht schwankt. Es gibt Wünsche, die tauchen heute auf und sind morgen wieder weg. Die fühlen sich im Moment richtig an, verlieren aber schnell an Bedeutung, sobald das Leben weiterläuft.

 

Und es gibt Wünsche, die bleiben. Die kommen wieder. Die variieren vielleicht leicht, aber die gehen nicht weg.

 

Der Unterschied zeigt sich nicht daran, wie pompös oder gut sich der Wunsch anhört, sondern vielmehr daran, was er aushalten kann. Ist er stark genug, um das Bestehende aufzuwiegen? Gegen das, was du dir aufgebaut hast? Gegen das, was dich trägt?

In der einen Waagschale liegt immer etwas

In meinem Fall war die Entscheidung damals relativ klar. Der Wunsch war da, aber das Leben auf der anderen Seite der Waage hatte mehr Gewicht. Es war auch wichtig, den Wunsch anzuerkennen. Aber er war nicht stark genug, um das zu tragen, was ich dafür hätte aufgeben müssen.

 

Heute ist die Situation eine andere.

 

Meine Tochter ist erwachsen. Ich habe wieder mehr Freiraum. Und trotzdem ist es nicht so, dass ich einfach sagen möchte: Jetzt gehe ich. Denn inzwischen liegen andere Werte in meiner Waagschale. Ein enges soziales Umfeld. Stabilität. Ein Leben, das sich über Jahre aufgebaut hat.

 

Das heißt: Der gleiche Wunsch trifft auf neue Umstände.

 

Das ist eigentlich das Spannende daran. Nicht der Wunsch selbst verändert sich, sondern das, was ihm gegenübersteht. Was ihn damals hat scheitern lassen, kann ihn heute tragen, oder umgekehrt. Deshalb lohnt es sich, alte Wünsche nochmal in die Hand zu nehmen und neu zu wiegen.

Ist das ein echter, oder ein Gewohnheitswunsch?

Ich hatte schon echt coole Wünsche, von denen ich heute kaum noch weiß. Und es gibt so hartnäckige, die bleiben. Als hätten die ein Eigenleben und würden über die Zeit eher reifen als verschwinden. Bei denen frage ich mich: Was hat das eigentlich mit mir zu tun?

 

Die Frage ist am Ende nicht nur, was du willst. Sondern wie viel Gewicht dieser Wunsch wirklich hat. Was bist du bereit, dafür zu verändern? Was bist du bereit, dafür aufzugeben? Und was eben nicht?

 

Und genauso wichtig: Was hält dich gerade – und warum?

 

Wenn du dir diese Fragen ehrlich stellst, wird oft ziemlich klar, ob ein Wunsch gerade wirklich trägt oder ob er ein Gedanke ist, der sich gut anfühlt, solange er folgenlos bleibt.

 

Wenn du das für dich sortieren willst und merkst, dass du allein immer wieder an die gleichen Punkte kommst, kann Coaching dir helfen, genau diese Gewichtung klarer zu sehen. Wenn du magst, buch dir ein Vorgespräch.

#GanzKlarFrei