Vom Druck, richtig entscheiden zu müssen

Meine liebe Schweizer Mentorin Doris gab mir vor vielen Jahren den Rat: „Eine Entscheidung, Mara, ist nur schwer, bis du sie getroffen hast.“

 

Ein Satz, der mich seitdem begleitet und dessen Wahrheit und Präzision ich bis heute bei mir und meinen Klient:innen immer wieder erlebe:
Entscheidungen machen so lange Stress, bis sie entschieden sind.

 

Der Stress entsteht in der Regel nicht durch die Entscheidung selbst.
Er entsteht davor über die Gedanken ans danach.

Wenn Entscheiden zur Belastung wird

Sobald eine Entscheidung ansteht, geraten wir unter Druck. Los geht’s im Gedankenkarusell: wir wägen ab, spielen die Variante eins durch, denken über alle Konsequenzen der Variante zwei bis ins Detail nach. Und was wäre, wenn vielleicht hinter Variante drei unser Glück warten würde?

 

Unser Problem ist, dass wir den Anspruch haben, es müsse die eine richtige Entscheidung geben.

 

Richtig im Sinne von sicher.
Kontrollierbar.
Frei von späteren unangenehmen Konsequenzen.

 

Und jetzt versuchen wir etwas abzusichern, das sich nicht absichern lässt. Die Zukunft.

Der fast unstillbare Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle

Wir haben keine Glaskugel. Das wissen wir.
Und trotzdem versuchen wir, jede mögliche Konsequenz mitzudenken.
Jedes Wenn. Jedes Aber. Jede mögliche Folge.

 

Entscheidungen werden damit so unter das Joch von Erhalt von Kontrolle und Sicherheit gestellt, wir bemühen uns, alle Risiken zu vermeiden, dass der Sinn von Entscheidung, nämlich gestalterische Freiheit, komplett auf der Strecke bleibt.


Der Denkprozess wird intensiver und die Klarheit nimmt paradoxerweise proportional ab.

 

Was als Verantwortungsbewusstsein beginnt, endet in innerer Erstarrung.

Warum Stillstand oft die Folge ist

Unter diesem inneren Druck entscheiden dann viele entweder vage und wählen das vermeintlich kleinste Übel, oder sie entscheiden sich immer wieder für das, was dem, was sie bereits kennen, am nächsten kommt.

 

Und zwar nicht, weil es Sinn macht, sondern schlicht, weil es einschätzbar ist, sich vertraut und wohlig anfühlt.

 

So bleiben wir in gewohnten Mustern, während Entwicklung ausbleibt.
Entscheiden wird zum Risiko statt zu einer Perspektive.

Entscheidungen als Zwischenschritte verstehen

Der innere Druck entsteht aus der Vorstellung,
eine Entscheidung sei endgültig.

 

Dabei sind Entscheidungen selten Urteile über das ganze Leben.
Sie sind Schritte.
Richtungsangaben.
Ausgangspunkte, auf deren Basis weiter entschieden werden darf.

 

Klarheit entsteht nicht dadurch, im Voraus alles zu wissen.
Klar fühlen wir uns, wenn wir nach einer Entscheidung in Beziehung bleiben mit dem,
was sich zeigt, entwickelt und auch wieder ändern, korrigieren lässt.

Mehr Unbeschwertheit im Entscheidungsprozess

Entscheidungen sind wichtig, keine Frage.

 

Manche Entscheidungen sind weitreichender als andere. Und es steht völlig außer Frage, dass wir Entscheidungen nicht leichtfertig, naiv oder unbedacht treffen sollten.

 

Aber stünde uns nicht ein klein wenig mehr Unbeschwertheit, ein klein wenig Neugier, Abenteuerlust, Freude am Gestalten ganz gut zu Gesicht? Ein klein wenig Vertrauen, dass wir für unser Leben gut entscheiden können. Achtung: nicht richtig, sondern gut.

 

Wenn du merkst, dass dich Entscheidungen gerade unter Druck setzen
und du gerne den Weg zu für dich guten Entscheidungen finden möchtest,
kann ein Gespräch helfen, wieder Orientierung zu gewinnen.

 

Wenn dich dieser Gedanke weiterführt, findest du hier ergänzende Perspektiven:

Die Illusion der richtigen Entscheidung
Denken allein macht noch keine gute Entscheidung

#GanzKlarFrei