Wir teilten uns ein Ferienhaus: Meine Mutter, meine Tochter samt Freundin, mein Freund und ich. Traditionell haben wir Abends immer gespielt, Karten oder ein anderes Gesellschaftsspiel. An einem Abend gab es Krach. Ich kann mich an den konkreten Auslöser nicht mehr erinnern. Wohl aber daran, dass ich mich sehr mit meiner Mutter gerieben habe. Die Stimmung kippte, war entsprechend mies und jeder zog sich ins eigene Zimmer zurück.
Meinem Freund behagte die Situation, der ganze Streit überhaupt nicht. Und weil er auch mit mir nicht einer Meinung war, wollte er an diesem Abend nicht mit mir gemeinsam im Zimmer hocken und verzog sich nach draußen.
Ich finde, das passiert oft im Urlaub. Fern vom Alltag, der so vieles abpuffert und überdeckt, entstehen Momente, die neues zu Tage bringen. Keiner von uns hätte gedacht, dass ausgerechnet dieser Abend zu einer besonderen Erkenntnis führt.
Ein Bedürfnis wird sichtbar
Dieser Abend hat in meinem Freund etwas aufgeweckt. Ihm ist an diesem Abend klar geworden, wie wichtig für ihn ein Ort ist, an den er sich zurückziehen kann. Die Möglichkeit, sich rausnehmen zu können, für sich zu sein.
Wenn wir bisher über eine gemeinsame Wohnsituation diskutiert hatten, fand er ein eigenes Zimmer vollkommen überflüssig. Der Abend im Ferienhaus hat dies geändert. Er hat ihm gezeigt, dass es wichtig sein kann, mal nicht alles zu teilen. Dass er an diesem Abend tatsächlich viel lieber alleine blieb als zusammen.
Manche Momente stellen uns Fragen, denen wir im Alltag gerne ausweichen.
Die außerordentlichen Rahmenbedingungen eines Urlaubs-Settings schaffen oft eine neue Atmosphäre, in der sich Dinge zeigen, Muster, Gedanken, die wir in unserem eng getakteten Alltag häufig nicht beachten oder erst gar nicht bemerken. Dabei lohnt es sich fast immer, genauer zu gucken, was da eigentlich los ist.
Meinem Freund war vorher nie bewusst gewesen, dass er seinem Bedürfnis nach Ruhe und Frieden manchmal am besten alleine nachkommen kann. Dieser Moment fern des Alltags, den er nicht selbst provoziert hat, der aber Auswirkungen auf alle, auch auf ihn hatte, hat dieses Gefühl erst greifbar gemacht.
Ich werte solche Situationen als Geschenk. Uns fällt unerwartet und ungefragt etwas in den Schoß. Ich mag an dieser Stelle immer die Frage: Was hat das mit mir zu tun?
Was mache ich daraus?
Und im nächsten Schritt: Wie ernst will ich diese Einsicht nehmen? Was mache ich draus? Sicherlich gibt es ganz viele kleine Erkenntnisse, die wir betrachten, schmunzeln oder kurz den Kopf darüber schütteln und sie dann einfach als „grad nicht dran“ wieder fallen lassen. Dass du im Urlaub jeden Abend dasselbe Gespräch mit deinem Partner führst, zum Beispiel. Oder dass dich immer dieselbe Kleinigkeit an deiner Freundin nervt.
Und doch finde ich diese Einblicke hinter die Kulissen unseres Alltags immer wieder wegweisend.
Im Fall von meinem Freund wäre es für ihn wahrscheinlich nur schwer zu einem wirklichen inneren Frieden gekommen, wenn wir uns immer alle Räume geteilt hätten.
Was Coaching damit zu tun hat
Ein Urlaubsabend legt eine Empfindung frei, doch damit ist noch nicht gesagt, was sie bedeutet. War das jetzt eine einmalige Situation, ein Streit, der eben mal hochkochte? Oder zeigt sich hier ein echtes Bedürfnis, das schon länger unter der Oberfläche lag und nur auf einen Anlass gewartet hat?
Dieser Unterschied ist selten offensichtlich. Im Trubel des Alltags rutscht so eine Beobachtung schnell wieder über die Tischkannte, bevor wir sie wirklich verstanden haben.
Manchmal ist die Erkenntnis vollkommen klar. Und manchmal nicht. Dann kann ein Blick von außen genau das sein, was ein neues Licht auf deine Gedanken wirft.
Wenn du merkst, dass sich in dir etwas zu lösen beginnt, Gedanken, die sich nicht einordnen lassen und neugierig bist, welche Bedeutung diese Gedanken für dich haben und was daraus entstehen kann, dann lade ich dich herzlich ein:
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#GanzKlarFrei