Ich habe mal einen Film gesehen, der mit einer unspektakulären Szene begann.
Eine Frau verlässt wütend das Büro, macht sich auf den Heimweg und rennt zur U-Bahn.
In der einen Version erwischt sie den Zug.
In der anderen verpasst sie ihn.
Von diesem Moment an entfalten sich zwei Handlungsstränge.
Zwei Geschichten, ausgelöst durch ein paar Sekunden Unterschied.
Der Ausgang der beiden Lebensläufe ist nicht gleich.
Was bleibt, ist die quälende Frage: Welcher Weg wäre der bessere gewesen?
Eine absurde Frage, denn sie ist letztlich nicht entscheidbar. Erstaunlich ist die Erkenntnis, wie sehr wir versuchen, rückblickend Entscheidungen anhand ihrer Konsequenzen zu bewerten.
Warum glauben wir überhaupt, das im Nachhinein beurteilen zu können?
Richtig ist keine Kategorie
Wir treffen sie jeden Tag. Erst im Rückblick beginnen wir, sie einzuordnen:
War das gut?
War das schlau?
War das richtig?
„Richtig“ ist dabei keine Eigenschaft der Entscheidung selbst.
Dieses Urteil fällen wir erst im Nachhinein – und messen dabei an Kriterien wie Ergebnis, Zustimmung oder eigenem Sicherheitsgefühl. Wir bewerten weniger die Wahl selbst als das, was aus ihr geworden ist.
Wessen Maßstab gilt denn hier?
Ob wir eine Entscheidung als richtig oder falsch empfinden,
hängt immer von uns selbst ab.
Die Maßstäbe, die wir anlegen, sind geprägt von der Kultur, in der wir aufwachsen und leben, vom gesellschaftlichen und familiären Umfeld, biografisch bedingt.
Eine Mutter, die ihr Kind früh in die Krippe gibt,
trifft in manchen Kontexten eine „falsche“ Entscheidung.
In anderen eine völlig selbstverständliche.
Und für sie persönlich kann es die stimmigste Lösung sein.
Dasselbe gilt für berufliche Wege, Beziehungen, Wohnorte, Lebensentwürfe.
Ob wir sagen können: „Das war richtig“,
hängt oft davon ab, welcher Maßstab gerade gilt –
und wer ihn anlegt.
Wenn die Entscheidung über uns entscheidet
In der Rückschau, ob Entscheidungen richtig oder falsch waren, suchen wir Bestätigung für uns selbst.
War ich kompetent?
Reif?
Habe ich verantwortungsvoll entschieden?
Manchmal bleiben wir bei Entscheidungen, auch wenn sie zu suboptimalen Konsequenzen geführt haben, um unser Selbstbild nicht infrage zu stellen.
Kritik von außen betrifft eigentlich nicht die Entscheidung selbst,
sondern uns als Person.
Eine Entscheidung wird zum Prüfstein für unser Selbstbild.
Der unfaire Vergleich mit der Geisterbahn
Rückblickend vergleichen wir reale Entscheidungen
mit hypothetischen Alternativen. Doch dieser Vergleich ist unfair.
Die reale Entscheidung trägt Konsequenzen, Widerstände, Komplexität.
Die alternative Version existiert nur als Idee. So entsteht leicht der Eindruck,
eine andere Entscheidung wäre richtiger gewesen.
Nicht, weil sie es war, sondern weil sie sich nie in der Realität bewähren musste.
Entscheidung als Schritt, nicht als Urteil
Ich glaube nicht an richtige oder falsche Entscheidungen. Ich glaube an Entscheidungen. Wir treffen sie und sie führen uns einfach nur zu einem neuen Zustand.
Jede verlagert unser Lebensbrett. Von der neuen Position aus treffen wir die nächste Entscheidung, gehen den nächsten Schritt.
Eine Entscheidung muss nicht perfekt sein. Wahrscheinlich kann sie es gar nicht.
Sie muss getroffen werden, damit Leben überhaupt in Bewegung bleibt.
Die einzig relevante Frage lautet: „Welche Möglichkeiten eröffnet mir dieser neue Standpunkt?“
Freiheit jenseits von richtig und falsch
Freiheit entsteht nicht, weil wir perfekte Entscheidungen treffen. Wir beginnen uns frei zu fühlen, wenn wir aufhören, sie nachträglich zu bewerten und stattdessen lernen, sie schlicht einzuordnen.
Wenn dich dieses Grübeln und Messen lähmt, brauchst du keine besseren Analysen. Du brauchst Vertrauen in deinen Weg.
Wenn du merkst, dass dich Entscheidungen innerlich eher festhalten als weiterbringen und du wieder mehr Vertrauen in deinen eigenen Kompass entwickeln möchtest, kann ein Gespräch im Rahmen von Life Coaching ein Raum sein, in dem du wieder Orientierung und Selbstsicherheit im Entscheiden entwickelst.
Wenn du dich weiter mit dem Thema Entscheidung beschäftigen möchtest, findest du hier zwei ergänzende Perspektiven:
• Vom Druck, richtig entscheiden zu müssen
• Denken allein macht noch keine gute Entscheidung
#GanzKlarFrei