Bastian Sick hat einem sprachlichen Phänomen einen prägnanten Titel gegeben: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.
Die Phrase selbst ist ein Beispiel für den sprachlichen Wandel, der sich im alltäglichen Gebrauch durchsetzt. Eigentlich ein grammatikalischer Fehler, den wir aber in der Alltagssprache akzeptieren.
Mit der Zeit geht etwas verloren, weil wir im Alltag diese sprachlichen Feinheiten nicht mehr beachten. Und irgendwann hat der Dativ den Genitiv verdrängt.
Ich finde, dieses Modell lässt sich gut auf das Leben übertragen.
Funktionieren als Auto-Modus
Im Alltag geschieht etwas Ähnliches, nämlich dann, wenn Dichte entsteht. Wir haben immer mehr Termine, unsere Verantwortung wächst und unsere Freiräume werden verdrängt. Der Auto-Pilot übernimmt.
Zwar trägt uns dieser Funktionsmodus auch. Er stabilisiert und hält Strukturen aufrecht. Aber er begrenzt unser Leben und unsere Möglichkeiten auch.
Wie Scheuklappen das Blickfeld eines Pferdes verengen, so beschränkt das reine Funktionieren unsere Sicht auf die Vielfalt des Lebens. Uns geht das Gespür für die Spielräume verloren.
Die Verdrängung der Freiheit aus dem Alltag
Freiheit verkümmert wie eine sprachliche Feinheit, die nicht mehr genutzt wird. Sie verliert an Präsenz, wenn sie nicht mehr gelebt wird. Dies geschieht meist unauffällig und ohne klare Zäsur. Freiheit wird nicht aktiv aufgegeben.
Sie verliert an Bedeutung, weil sie im Alltag keinen Platz mehr erhält.
Innere Orientierung statt Regelwerk
Doch anders als in der Sprache gibt es im Leben kein Regelwerk, dessen Geländer uns zur Freiheit zurücklenken könnte.
Diese Orientierung muss von Innen heraus entstehen.
Sie zeigt sich uns dort, wo wir bemerken, dass der Alltag zwar funktioniert, aber nicht mehr nährt.
Freiheit entsteht durch Unterbrechung
Innere Freiheit beginnt dort, wo wir bewusst entscheiden und den Funktionsmodus unterbrechen. Eine bewusste Pause schafft Abstand und öffnet wieder den Blick.
So entsteht Raum für Wahrnehmung. Wir sehen wieder die Vielfalt, die uns das Leben anträgt. Wir erinnern, dass Leben mehr ist als ein reibungsloser Ablauf. Wir müssen nicht alles mitnehmen. Wir dürfen wählen. Und schon alleine diese Möglichkeit verändert die innere Haltung zum Leben.
Wenn du merkst, dass dein Alltag sehr eng geworden ist
und das Funktionieren zu viel Raum eingenommen hat, kann ein Gespräch helfen, das Eis zu brechen und innere Freiheit wieder spürbar zu machen.
#GanzKlarFrei