Perspektivwechsel: Wie ein Theaterabend mein Erleben veränderte

20.02.2025 – Friedrichstadtpalast – Falling in Love

 

Grand Shows stehen auf meiner Kulturliste nicht auf Position Nummer 1. Trotzdem hatte ich mich auf den Abend gefreut und war echt gespannt auf die größte Theaterbühne der Welt. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Sehr lang hat es nicht gedauert, bis ich dachte: Ojemine, das ist ja furchtbar.

 

Ich fand das Stück seicht, vorhersehbar und nicht besonders beeindruckend. Innerlich fing ich an, das Stück mit klassischen Stücken wie Ballett oder Theater zu vergleichen. (Völliger Irrsinn, ich weiß.)

 

Je länger ich dem Spektakel zusah, desto unruhiger wurde ich, richtiggehend aggressiv. Kennst du das, wenn es in der Magengegend anfängt zu grummeln? So ging es mir. Ich konnte mich gar nicht mehr auf das konzentrieren, was auf der Bühne passierte, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt war, mir den Abend zu verleiden.

 

Bis mir irgendwann der rettende Gedanke kam:

Am Ende ist nicht das Stück das Problem. Am Ende führt meine Art, es zu betrachten, zu diesem miesen Erlebnis.

Also habe ich etwas ausprobiert. Ich habe aufgehört, den Abend an meinen Erwartungen zu messen und habe mich stattdessen gefragt:

 

Was könnte heute trotzdem interessant sein?

 

Plötzlich fielen mir Dinge auf, die ich vorher gar nicht gesehen hatte. Ein Musiker, der richtig gut war. Eine Szene, die mich zum Lachen brachte. Eine kleine Geste zwischen zwei Schauspielern. Der Abend wurde nicht zu einem persönlichen Highlight, die Aufführung nicht zu meinem Lieblingsstück. Aber er wurde zu einem gelungenen Abend.

 

Auf der Bühne hatte sich nichts verändert. In mir hatte sich etwas verändert.

Der Unterschied zwischen Bewerten und Erleben

Ich glaube, genau das passiert uns auch im Alltag häufiger, als uns bewusst ist.

 

Wir bewerten Situationen, Menschen oder Entscheidungen oft aus einer Routine heraus, die uns Sicherheit und Orientierung gibt. Das geht so schnell, dass wir es fast nicht bemerken und dadurch kaum noch offen dafür sind, was noch darin stecken könnte.

 

Dann gibt es plötzlich nur noch zwei Möglichkeiten: gut oder schlecht, richtig oder falsch, bleiben oder gehen.

 

Ich denke, es lohnt sich oft, einen Moment länger hinzuschauen, weil das Leben selten so eindeutig daherkommt.

Es geht nicht darum, sich das Leben schönzureden, sondern den Raum aufzumachen für andere Eindrücke. Es geht darum, sich die Chance zu geben, mehr zu sehen als die erste Wahrnehmung.

 

Bei einem Theaterabend fällt uns das vielleicht noch leicht. Wenn es um Beziehungen, den Beruf oder das eigene Leben geht, sieht das oft anders aus.

Wenn neuer Denkraum entsteht

Da erlebe ich dann in Coachings, dass sich Menschen dringend eine Lösung für ihre Situation wünschen. Und das macht ja auch Sinn – dafür buchen sie ja ein Coaching.

 

Und natürlich wollen wir, dass sich etwas verändert. Dass es leichter wird. Klarer. Stimmiger.

 

Die Frage ist nur, was ist ein guter Weg hin zu einer guten Lösung. Das ist so individuell, wie jeder Mensch einzigartig ist. Kein Lösungsweg gleicht dem anderen, keine Strategie kann einfach kopiert werden.

 

Aber was bei allen gleich ist: wenn wir nicht nur die Perspektive ändern, sondern auch das Erleben, das, was uns tragen soll, dann geht für alle ein riesengroßer Raum auf. Der Denkraum. Und dann finden wir plötzlich Schlüssel zu Türen, die zuvor unsichtbar waren.

 

Entschuldigt, ich gerate ins Schwärmen. Aber es ist auch für mich als Coach immer wieder ein besonderer Moment, wenn das passiert.

 

Wenn dich etwas umtreibt, bei dem du gerne mal neue Denk- und Lösungsräume entdecken möchtest, melde dich sehr gerne bei mir.

#GanzKlarFrei