Nicht-Entscheiden als stumme Form der Lebensgestaltung

Sie saß bei mir und blickte ins Leere. Die Frage, die ich gestellt hatte, war: „Was ist passiert?“

 

„Nichts“, sagte sie. „ Das ist es ja“.

 

Sie konnte nicht genau bestimmen, ab wann dieses Gefühl, dass das Leben irgendwie an ihr vorbeirennt, begonnen hatte. Es war wohl schon eine ganze Weile so. Erst fühlte es sich ein bisschen wie Langeweile an. Manchmal hatte sie das Gefühl, keine Kraft zu haben. Und dann kamen ihr Gedanken wie, „ach komm, du hast es doch gut“, „hey, schau dir mal deine Karriere an“ oder „es läuft doch, du kannst dich echt nicht beschweren“. Und dann lebte sie so weiter.

 

Jetzt saß sie bei mir und wollte damit aufräumen, wollte die ganzen unfertigen Gedanken zu Ende denken.

 

Mich berührt es immer wieder, wenn ich beobachte, wie Menschen zu mir kommen, bei denen eigentlich alles passt obwohl eigentlich ganz viel nicht mehr passt.

Nicht-Entscheidung als Lebensstrategie

Viele Menschen merken, dass sie sich immer wieder nicht entscheiden. Dabei ist es unerheblich, ob dies aus Bequemlichkeit, Anpassung oder Unsicherheit geschieht. Keine Entscheidungen zu treffen, gibt uns in einem persönlich und gesellschaftlich geformten Rahmen viel Halt. Wir fühlen uns zugehörig, haben festen Boden unter den Füßen. Äußerlich betrachtet fehlt es uns an nichts.

 

Solange wir nichts verändern, bleibt alles berechenbar. Und dennoch entwickelt sich unser Leben eben weiter.

Das Leben geht immer weiter – auch mit Konsequenzen

Über viele äußere Umstände, Veränderungen haben wir keine Macht. Aber sie formen unser Leben mit. Arbeit wird zur Routine, Beziehungen werden funktional, Gewohnheiten verhärten sich, Möglichkeiten verschließen sich.

 

Der Rahmen verschiebt sich.

 

Es ist wie ein Keim, der in uns aufgeht. Dieser Keim wächst, ganz im Stillen, überwiegend unbeachtet. Jetzt entsteht unser Unwohlsein, die innere Reibung mit uns selbst.

 

Erst wenn aus dem Pflänzchen eine Pflanze, manchmal sogar ein ausgewachsener Baum geworden ist, bemerken wir, dass wir in einem Leben leben, das sich um uns gestaltet hat.

Bewusstheit schafft Handlungsfläche

In diesem Moment der Bewusstheit haben wir die Möglichkeit, unser Leben von innen heraus zu gestalten. Äußere Umstände mit inneren Sehnsüchten zu verbinden. Selbstwirksam zu werden. Entscheidungen zu treffen.

Unser Leben fühlt sich so lange stabil an, bis wir irgendwann bemerken, dass wir es nicht selbst gestalten.

 

Wenn du merkst, dass alles läuft, es sich aber nicht mehr richtig anfühlt, gib dir Handlungsfläche, suche den Raum, der dich innerlich wieder frei sein lässt. Frei für bewusste Entscheidungen.

Wenn dich das Thema Entscheidung weiter beschäftigt, findest du hier ergänzende Perspektiven:

#GanzKlarFrei